Nachlese zum Palliativ- und Hospiztag

Manche Momente machten es still im Saal. Rund 120 Menschen kamen zum 8. Oberhausener Palliativ- und Hospiztag in die Gute Hoffnung Leben und erlebten ab 10.00 Uhr einen Tag, an dem es um medizinische Versorgung und Vorsorge ging, vor allem aber um die Frage, wie Menschen mit tiefgreifenden Veränderungen im Leben umgehen. Der Tag am 10. Oktober stand unter dem Motto „Wandel des Lebens“.

Wie nah dieses Thema kommen kann, zeigte sich besonders im Gespräch mit einem schwer erkrankten Mann und seiner Ehefrau. Gemeinsam berichteten sie von ihren Erfahrungen mit Versorgung durch das Oberhausener Palliativteam und davon, was sich für sie seit der Erkrankung verändert hat. Das sehr persönliche Interview berührte viele der Gäste spürbar. Zuvor hatte der Palliativmediziner Christoph Wegewitz (siehe Foto) erläutert, was Palliativversorgung leisten kann und welche Unterstützung sie Betroffenen und ihren Angehörigen bietet.

Einen anderen Blick auf das große Thema „Veränderung“ eröffnete der Psychologe Nils Oberländer. Er näherte sich dem Thema ebenso fachkundig wie feinfühlig und schlug immer wieder die Brücke zum eigenen Leben der Zuhörenden: Wie reagieren Menschen, wenn Gewohntes plötzlich nicht mehr gilt? Was lösen Unsicherheit und Kontrollverlust aus? Und was kann helfen, Veränderungen anzunehmen? Viele seiner Gedanken ließen sich weit über Krankheit und Lebensende hinaus auf persönliche Situationen übertragen.

Zum Mittagessen in der knapp einstündigen Pause gab es Chili sin Carne mit Brezeln, dazu kühle Getränke, Kaffee und Tee. Die Pause bot reichlich Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Wer sich weiter informieren wollte, konnte aus einer Vielzahl bereitliegender Informationsmaterialien wählen.

Nach dem Mittagessen rückte die eigene Vorsorge in den Fokus. Juristin Jasmin Sieben erklärte anschaulich und mit hoher fachlicher Präzision, worauf es bei Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht ankommt. Dabei blieb ihr Vortrag trotz des juristisch anspruchsvollen Themas verständlich und unterhaltsam. Bei allen Beiträgen konnten die Besucherinnen und Besucher eigene Fragen stellen.

Eine besondere Atmosphäre schufen Andreas und Nora vom Musikduo Secret Messages. In drei musikalischen Pausen nahmen sie das Publikum mit auf kurze Klangreisen. Ihre Musik gab den Gästen Gelegenheit, das Gehörte nachwirken zu lassen, Gedanken zu sammeln und zwischendurch einfach einmal abzuschalten.

Durch das Programm führte Moderator Michael Bokelmann, der die unterschiedlichen Themen souverän miteinander verband und den persönlichen wie fachlichen Beiträgen den passenden Raum gab.

Es war ein besonders vielschichtiger Tag, der die Besuchenden informiert, unterhalten und berührt um 14.30 Uhr ins Wochenende verabschiedete. Mit der Gewissheit, dass die Veränderung als unumstößlicher Teil des Lebens Aufmerksamkeit fordert – wenn man sie bewusst ermessen will. Erst Recht in Lebensphasen, in denen man sich diese Veränderung nicht selbst ausgesucht hat.