„Dann höre ich einfach auf zu essen“

Wie sagt man so schön: Liebe geht durch den Magen! Und gerade wenn ein Mensch schwer krank ist, möchten Angehörige deshalb häufig, dass er noch etwas isst oder trinkt. Doch am Lebensende verändert sich der Körper. Hunger und Durst lassen nach, Nahrung kann ihre Bedeutung verlieren. Was ist in dieser Situation natürlich? Was braucht ein sterbender Mensch tatsächlich? Und was dürfen Angehörige und Begleitende auch einfach geschehen lassen?

Um diese Fragen geht es bei der nächsten H.E.L.P.-Fortbildung des Palliativnetzes Oberhausen am Mittwoch, 7. Oktober, von 18 bis 20 Uhr im Ambulanten Hospiz Oberhausen, Max-Planck-Ring 56. Unter dem Titel „Dann höre ich einfach auf zu essen“ spricht der Arzt für Allgemein- und Palliativmedizin Michael Etges über Essen und Trinken am Lebensende und den freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken.

„Wenn wir selbst mit Fieber oder einer Grippe im Bett liegen, haben wir oft keinen Appetit. Bei einem schwer kranken, sterbenden Menschen ist es deshalb nicht ungewöhnlich, wenn der Körper immer weniger Nahrung verlangt“, sagt Etges. Für Angehörige könne das dennoch schwer auszuhalten sein. Essen stehe für Fürsorge und Zuwendung – und der Gedanke, nichts mehr anbieten zu müssen, könne verunsichern.

Etges greift außerdem Situationen auf, in denen Menschen bewusst entscheiden, auf Nahrung und Flüssigkeit zu verzichten. Dabei geht es auch um die Frage, was im Körper geschieht und wie eine solche Entscheidung respektvoll begleitet werden kann. Die Veranstaltung soll zugleich helfen, Begriffe einzuordnen. Formulierungen wie „verhungern“ oder „verdursten“ hält Etges in diesem Zusammenhang für unpassend: Sie beschreiben eine Situation des Mangels, nicht die bewusste Entscheidung eines Menschen oder die körperlichen Veränderungen am Lebensende.

Auch Menschen mit Demenz nimmt der Palliativmediziner in den Blick. Wenn jemand den Mund beim Anreichen von Nahrung bewusst schließt, kann dies eine Willensäußerung sein, die ernst genommen werden muss. „Es geht nicht darum, starre Regeln aufzustellen“, sagt Etges. „Für mich gilt eher: Alles darf, nichts muss.“

Die Veranstaltung richtet sich an Angehörige, Zugehörige, beruflich und ehrenamtlich Begleitende sowie alle Interessierten. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich. Die Anmeldung ist ab sofort telefonisch möglich unter 0208 – 8252385 oder über www.hospizakademie-oberhausen.de. Die Teilnahme ist auf 20 Personen begrenzt.