Wenn Oma plötzlich Dinge vergisst, Opa sich anders verhält oder ein vertrauter Mensch immer häufiger Namen und Situationen verwechselt, merken das auch Kinder. Doch wie erklärt man ihnen, was Demenz bedeutet? Ein neuer Demenzkoffer hilft dabei – und einer von insgesamt vier Koffern in Oberhausen steht ab sofort bei FIBS, der Beratungsstelle des Palliativnetzes Oberhausen e. V., bereit.
Der Verein „Lebensqualität bei Demenz Oberhausen“ und das Netzwerk Demenz haben diesen Koffer entwickelt, der sich vor allem an Kitas, Familienzentren und Familien mit Kindern im Vorschulalter richtet. Darin: Mehrsprachige Bilderbücher, Handpuppen und weitere pädagogische Materialien, die dabei helfen, die Erkrankung verständlich und altersgerecht zu erklären. Vier Koffer gibt es, einer steht nun in den FIBS-Räumen.
„Kinder erleben sehr genau, wenn sich ein vertrauter Mensch verändert. Deshalb sollten wir sie mit ihren Beobachtungen und Fragen nicht alleinlassen“, sagt Nicole Peters-Bokelmann, Netzwerkkoordinatorin des Palliativnetzes Oberhausen und Leiterin der FIBS-Geschäftsstelle. „Der Koffer bietet eine schöne Möglichkeit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und ihnen auch die Angst vor der Erkrankung zu nehmen.“
Demenz betrifft viele Familien. Rund 1,8 Millionen Menschen leben in Deutschland mit einer Demenzerkrankung. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko deutlich: Während bei den 80- bis 84-Jährigen rund 14 Prozent betroffen sind, sind es zwischen 85 und 89 Jahren knapp 23 Prozent. Bei Menschen ab 90 Jahren liegt der Anteil bei rund 36 Prozent.
Mit dem Demenzkoffer erweitert das Palliativnetz das Angebot seiner Beratungsstelle FIBS für Familien. Eltern, Angehörige und pädagogische Fachkräfte können sich die Materialien in der Beratungsstelle ansehen und bei Bedarf auch für mehrere Tage ausleihen. Die Inhalte eignen sich vor allem für Vorschulkinder, können je nach Entwicklungsstand aber auch noch im Grundschulalter eingesetzt werden.
Doch für das Palliativnetz und FIBS soll es nicht nur beim Besitz des Koffers bleiben: Gemeinsam mit dem Netzwerk Demenz entwickelt Peters-Bokelmann derzeit einen Projekttag für Kindertagesstätten. Künftig möchte sie Einrichtungen dabei unterstützen, das Thema mit Kindern aufzugreifen und die Materialien gezielt einzusetzen. „Wir wollen die Kitas mit dem Thema nicht alleinlassen“, erklärt Peters-Bokelmann.
„Kinder dürfen früh erfahren, was Demenz bedeutet – und vor allem, dass sie trotz der Veränderungen weiterhin einen liebevollen Umgang mit dem erkrankten Menschen finden können.“
Wer den Demenzkoffer kennenlernen oder ausleihen möchte, kann sich direkt an FIBS wenden.
