In der Oberhausener Hospiz- und Palliativakademie fand erstmals ein Palliativ Care-Basiskurs für Pflegende in der Eingliederungshilfe statt. Das ist einmalig in NRW. Bundesweit gibt es nur wenige Einrichtungen, die vergleichbar qualifizieren.
 
In Deutschland haben rund acht Millionen Menschen eine schwere Behinderung. Manche leben daher in besonderen Wohnformen, wie zum Beispiel einer Behinderteneinrichtung oder im ambulant betreuten Wohnen. Die sogenannte Eingliederungshilfe unterstützt diese Bewohner:innen dabei, die Folgen ihrer Behinderung zu mildern und sich in die Gesellschaft einzugliedern. In diesen Einrichtungen wohnen die einen und arbeiten die anderen, es wird gelebt und es wird gestorben. Und genau darum geht es in dem neuen Kurs: den Pflege- und Assistenzkräften zu zeigen, wie sie die Lebensqualität schwerstkranker bis sterbender Menschen bewahren können. Jessica Eickhoff ist als Heilerziehungspflegerin in einer solchen Einrichtung tätig. Der Beruf macht ihr Spaß und zugleich erlebt sie, dass natürlich auch behinderte Menschen alt werden und schließlich sterben. „In meinem Bereich kam das Thema Sterben aber kaum vor, und wenn jemand starb, dann außerhalb. Dabei ist es wirklich möglich, das Sterben auch innerhalb der Einrichtung gut gestalten zu können.“ Um hier gut für die Sterbenden zu sorgen, hat sie den ersten Kurs zum Thema in NRW besucht – in der Hospiz- und Palliativakademie in Oberhausen.
 
Die meisten Menschen machen um die Themen Sterben, Tod und Trauer einen großen Bogen. Wer im Krankenhaus oder Altenheim arbeitet, muss sich zwangsläufig damit auseinandersetzen. Und der professionelle Rest? „In der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland steht, dass jeder Mensch, der am Bett eines schwersterkrankten Menschen arbeitet, über grundsätzliches Wissen in der palliativen Versorgung verfügen muss. Dieser Kurs hat mir nochmal gezeigt, wie dringend notwendig es ist, praxisnahe Qualifizierungen anzubieten. Mit Inhalten, die die Teilnehmenden direkt anwenden können,“ erklärt Nicole Peters-Bokelmann, Leiterin der Akademie. Gemeinsam mit Sabine Schrade, Koordinatorin im Ambulanten Hospiz Oberhausen e.V., vermittelt sie den Teilnehmer:innen in 40 Stunden die Palliativ Care-Grundkenntnisse, also die Behandlung, Pflege, Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen und Begleitung ihrer Zugehörigen. Dabei geht es um die Selbstpflege, um den Umgang mit Schmerz, die Schmerzerfassung und um so viel mehr. Gerade bei Menschen mit geistigen Einschränkungen kann das Thema Schmerz eine besondere Herausforderung sein, weil sie sich oftmals nicht sprachlich äußern können. Es geht also im Kurs um medizinische Themen und vor allem um eine grundsätzliche Haltung: Wertschätzung, Respekt, Offenheit zueinander. „Das sind scheinbar weiche Werte, die im Alltag oftmals verlorengehen. Gerade deshalb haben unsere Teilnehmenden diese Haltung so intensiv erfahren“, ergänzt Schrade.
 
Nach 40 intensiven Stunden erhalten die neun Teilnehmenden ihr Zertifikat von der renommierten Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Vielleicht ist es für sie der Startschuss in eine weiterführende Qualifizierung. Für die junge Oberhausener Akademie ist es ein weiteres Qualitätsmerkmal mit bundesweiter Strahlkraft. Das nächste Seminar zum Thema findet 2023 statt.

Die Teilnehmer:innen des Kurses für die Eingliederungshilfe. Links Sabine Schrade, rechts Nicole Peters-Bokelmann
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